Freitag, 21. Oktober 2011

Nackte Demonstranten und Junkies am Strand

Wieder eine (anstrengende) Woche Uni hinter mir, deswegen kaum Zeit zum Schreiben gehabt- 4 Tage die Woche jeden Tag mehr oder weniger von früh bis abends mit Vorlesungen und Hausaufgaben (!) beschäftigt- da ist man von Deutschland anderes gewohnt...

Dennoch gibt es einiges nachzuholen, denn das vergange Wochenende war ereignisreich:
Samstag waren, wie vielleicht einige mitbekommen haben, überall auf der Welt 15M Demonstrationen geplant, so natürlich auch hier, nachdem ja in Madrid im Mai alles angefangen hatte. Also haben wir uns auf den weg zum Versammlungspunkz gemacht und waren zunächst noch ein wenig erstaunt, das kaum Leute erschienen waren. Die berühmte spanische Unpünktlichkeit war schuld, denn eine Stunde nach offiziellem Beginn, hatten sich weitere Tausende eingefunden und die Demonstration konnte (natürlich mit spanischer Ruhe) beginnen. An deutschen Maßstäben gemessen hätte man wahrscheinlich eher von einem Festumzug gesprochen, denn von Bands begleitet tanzten die teilweise sehr spezial bekleideten oder auch kleidungslosen Teilnehmer aller Altersklassen (sowohl Kinder als auch Rentner waren dabei) durch die Strassen und nur Parolen und Transparente erinnerten an das eigentlich ernste Anliegen. Solch eine positive Stimmung und Ausgelassenheit kann einen schon überraschen, wenn man meist mit wütenden Demonstranten und brennenden Barrikaden konfrontiert wird.

Wie schon gesagt: alles sehr bunt und...anders

Versammlungsplatz

Bemerkenswert, dass selbst Kinder für ihre Zukunft demonstrieren


Sonntag war der Plan unseren plattgelaufenen Demonstrantenfüsse ein entspannendes Bad an der Costa Tropical zu gönnen und so machten wir uns im Bus in das eine Stunde entfernte Motril auf. Die Fahrt führte durch die traumhafte Landschaft der Sierra Nevada, durch kleine Bergdörfchen und vorbei an der kuriosesten Vegetation und so war schnell beschlossen, das Motril ab jetzt an unser Lieblingsausflugsziel werden sollte- diese Meinung würden wir später aber nochmal deutlich überdenken müssen. Schon als wir mit dem Bus in die Stadt fuhren wunderten wir uns, dass nirgendwo auch nur ein kleines Stückchen vom Meer zu sehen war. Dennoch machten wir uns mit großen Hoffnungen auf, nachdem uns ein Einheimischer versichert hatte, wir müssten nur geradeaus laufen und dann würden wir den Strand schon irgendwie sehen. Nachdem wir schon eine halbe Stunde gelaufen waren und immer noch kein Strand in Sicht war, und uns zudem langsam der Hunger überkam, und beides in Kombination sich wahlweise in schlechter Laune beziehungsweise wahnhaften Lachanfällen äußerte (weil es so grottenschlecht war, das man fast schon wieder drüber lachen konnte), beschlossen wir erstmal Mittagspause einzulegen, in der schönsten Ecke der Stadt neben dem Obdachlosenheim und nem Park voller Junkies... Nachdem wir noch ein paar weitere Passanten nach dem Weg zum Strand gefragt hatten, war schnell klar, das wir den Bus nehmen würden müssen (häh? puh...deutsche Grammatik :)), wenn wir nicht noch 2 Stunden laufen wollten. Nach ener weiteren halben Stunde Warten auf den Bus, umgeben von gruseligen Gestalten, kam unser Ziel endlich in erreichbare Nähe. Wir hätten vielleicht gleich stutzig werden sollen, als die erste Person die wir nach dem Weg fragte, sich erkundigte ob wir den zu Fuß gingen oder den Bus nehmen wollten, denn der Strand war definitiv nicht zu Fuß erreichen, außer man will seinem Leben eine Ende setzen und läuft gern auf Autobahnen herum :). Naja, halb 5 waren wir endlich am Strand angekommen- der Bus zurück ging halb 7- was aber nicht weiter schlimm war, da es zum Zeitpunkt eh kalt war und unsere Demonstrantenfüße dann eben mit der heimischen Badewanne vorlieb nehmen müssten. Also verbrachten wir die verbleibende Zeit, in wärmende KLeidung gehüllt, mit Postkartenschreiben und Steine sammeln und zugegebenermaßen, ich habe meinen Füßen ein kleines Bad gegönnt- weiter ging aber auch nicht. Als wir gegen 10 zurück in Granada waren, stand fest, das Motril definitiv keinen weiteren Besuch wert wäre- selten eine so dreckige, vergessene Stadt gesehen.










Das war auch schon der spannende Teil der vergangenen Woche, sonst ist wie bereits erwähnt nicht viel passiert, außer einer Flamencoshow am Mittwochabend in der Uni, die wir nach Vorlesungsschluss um halb 8 (!) noch besucht haben. Sicherlich interessant, aber wenn man von überall nur den an Touriustenbedürfnisse angepassten weichgespülten Falmenco kennt, und dann eine traditionelle Darbietung sieht, ist man schon leicht verwundert. Selten etwas so dramatisches und dabei gleichzeitig so rasend schnelles gesehen, zeitweise wirkte es tatsächlich ob man den FastForward Knopf gedrückt hielte. Und alles war so übertrieben (sowohl Gesang, als auch Tanz und Gitarre), dass ich mich von Zeit zu Zeit fragen musste, ob die das denn wirklich ernst meinen und dann gelegentlich aufkommende Lachanfälle unterdrücken musste. Ich bin aber sehr froh die Chance bekommen zu haben, abseits der Touristenorte eine solch ursprüngliche Vorführung mit Künstlern, deren Leidenschaft und Können wahrlich beeindruckend war, gesehen zu haben.

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