Samstag, 15. Oktober 2011

Worte zum Samstag

Nicht viel passiert in letzter Zeit und doch ist seit meiner Ankunft hier mittlerweile nun schon ein Monat vergangen. Die Uni bleibt weiter frustrierend, teil der Sprachbarriere zum größeren Teil jedoch der mangelnden Organisation geschuldet und macht (zugegebenermaßen bis auf meine 2 Kurse in Englisch) nur wenig Spaß und keine Lust auf mehr. Die Erasmusstudenten sind noch immer nicht immatrikuliert, das heißt wir haben weder Zugriff auf die zentralen Uniplattformen, was dazu führt das man schon mal den ganzen Tag in der Uni verbringt und am Ende kein Professor auftaucht, einfach weil man nicht informiert wurde; noch kann man sich wirklich sicher sein, das der Stundenplan so funktioniert, wie man sich das gedacht hat, weil man am Ende vielleicht gar nicht alle Kurse bekommt, die man belegen möchte.
Zudem, während das Leben hier immer mehr zum Alltag wird, beginnt man zu realisieren, dass man hier nicht im Urlaub ist, sondern wirklich noch eine Weile hier leben wird. Nachdem die ersten Eindrücke nur so hereingestürzt sind und man gar keine Zeit hatte nachzudenken, läuft plötzlich alles nur noch halb so schnell ab und die Dinge, die vorher spannend und neu waren, werden zur Routine. Das alles macht es nicht einfacher und da die meisten meiner Mitmenschen gerade in eben diesem Stadium festzustecken scheinen, macht sich eine leicht deprimierte Grundstimmung breit und man stellt sich Fragen, die man vorher nicht gestellt hätte.

Das alles klingt kompliziert, im Grunde freue ich mich aber noch immer hier sein zu dürfen und Granada ist weiterhin eine wunderschöne Stadt. Und zum Glück haben die meisten von uns 3-Tage-Wochenenden, sondass man immer wieder eine Nische findet um Einzigartiges zu erleben. So zum Beispiel letzten Sonntag, als ich und eine meiner Mitbewohnerinnen entschieden, wir müssten den Tag zu etwas Besonderem machen. In der Stadt gastiert gerade eine M.C. Escher Ausstellung- Teile davon in der Alhambra, der Rest im Wissenschaftspark. Glücklicherweise ist erstere nur einen 20 minütigen Aufstieg von unserem Haus entfernt, wobei 'Aufstieg' hier 'wirklich steiler Aufstieg' meint. Man hat natürlich auch die Möglichkeit sich in überfüllte Touristenbusse zu quetschen aber wir sind ja jetzt Einwohner, und Einwohner laufen... Aber es hat sich gelohnt- die Ausstellung war sehr beeindruckend aufgearbeitet, unter anderm mit Videoanimationen, die einen Überblick über das gesamte Werk bieten und eine beinahe psychedelische Anziehungskraft ausüben, sodass wir den ganzen Film dreimal gesehen haben :). Und allein für den Ausblick hätten sich die Anstrengungen ausgezahlt:




Nachher haben wir uns noch ein bisschen auf Erkundungstour begeben, leider konnten wir viele Sehenswürdigkeiten nicht besuchen, da dafür eine Eintrittskarte nötig gewesen wäre - die bekommt man als Einwohner kostenlos, muss sich aber vorher registrieren. Naja, das wird definitiv nachgeholt, dann aber mit Proviant im Gepäck. Nachdem uns nämlich der kleine Hunger überrascht hatte, mussten wir feststellen, dass in der gesamten Anlage nur Michelin-Restaurants zu finden sind, und gaben uns, von der Mittagshitze geschwächt, geschlagen und bezahlten im Endeffekt 5 Euro für ein Öl-durchtränktes Baguette mit Omelett- soviel zu den Michelin-Sternen... Nachdem wir noch ein bisschen erkundet hatten, beschlossen wir die Zeit bis zum Abend in einem Park zu verbringen, den wir entdeckt hatten. Nur ein Wort dazu: traumhaft. Überall Palmen, und Springbrunnen und Pfauen und Ausblick auf die ganze Stadt bei untergehender Sonne...zugegebenermaßen auch ein bisschen kitschig- aber der Park trägt auch 'Romantik' im Namen...



Das war auch schon der spannendste Teil der vergangenen Woche- abgesehen davon mal wieder ne Menge Parties, gute (z.B. ein erneutes 'Nationalitäten-Abendessen', diesmal mit Polen, Deutschland und Australien) und weniger gute (die Dachterassenparty am Dienstagabend (Mittwoch war frei) wurde gegen 1 von mit Trillerpfeifen bewaffneten Polizisten aufgelöst, die vor der Tür standen und gewartet haben, bis auch der letzte von ungefähr 100 Gästen gegangen war).- Ansonsten ein bisschen Uni (die Woche hatte ja nur 3 Tage), viel Tapas, viel Rumhängen-in-Cafes, ein bisschen Shopping - was man halt so macht.


Heute wird ganz spannend, um 6 gehts zur 15M-Manifestation - heute in 87 Ländern in der ganzen Welt, (hoffentlich) friedliche Demonstrationen für ¡Democracia real YA!. Man hat viel gelesen und gehört in den Medien im vergangenen halben Jahr, und ich freue mich das Alles aus einer ganz anderen Perspektive erleben zu können, und an dem Ort zu sein, wo alles seinen Ursprung hatte (also Spanien, nicht Granada).

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