Sonntag, 25. Dezember 2011

Sonnige Weihnachten & Schlaflos in Madrid

Ich hoffe, alle meine Leser hatten und haben noch ein tolles Weihnachtsfest und lassen sichs schmecken. Ich konnte nichtmal Plätzchen backen, in Spanien sind Backöfen nämlich nicht so Standart. Dafür ist es auch toll, mal Weihnachten bei 18 Grad zu verbringen- hab sogar ein Beweisfoto gemacht.


Granada 24.12.
 Das vergangene Wochenende hab ich genutzt, um mir Madrid anzuschauen, so als kleine Ferienanfangsbelohnung. Da Granada immer noch eine der wenigen Städte dieser Größenordnung ist, die keinen (und damit meine ich null) Anschluss an das Zugnetz haben, gibt es günstige Busse überall hin, leider ist man dann eben auch mal 5 Stunden unterwegs (und gezwungen sich schlechte bis unterirdisch grottige Filme anzuschauen). Leider musste ich, als ich dann endlich angekommen war, noch 1 1/2 Stunden auf Esmé warten, bei deren Freunden wir übernachtet haben, da wir, verschuldet durch unsere nahezu genialen Reisevorbereitungsstrategien, den Bus erst einen Tag vorher gebucht haben, und dann eben nur noch ein Platz frei war, und wir in unterschiedlichen Bussen reisen mussten. Gegen Mitternacht hatten wir es endlich geschafft und wurden zünftig mit Bloody Marys empfangen. Ich weiß genau, warum mir Tomatensaft mit Alkohol schon immer ziemlich seltsam vorkam... Wir hatten für den Abend Konzertkarten, aber bis alle ihr Glas ausgetrunken hinuntergewürgt hatten und wir endlich zum Gehen bereit waren, war das Konzert leider auch schon wieder vorbei. Kann ja niemand wissen, dass die in Madrid pünktlich anfangen, wenn man an andalusische Verhältnisse gewohnt ist. Dafür gab es eine ziemlich durchgeknallte Aftershow-Band - wenn ich mit 50 noch so fit bin und herumspringen kann, wie der 60+ jährige Trompeter schätze ich mich wirklich glücklich.
Die Blamage eher ins Bett zu gehen, als einer der 3mal so alt ist, wollten wir uns auch nicht geben und so erwachte Madrid wieder, als wir uns endlich schlafen legten. Der nächste Tag viel dementsprechend relativ unproduktiv aus, ein Sapziergang durch die Stadt, auf der Suche nach einem guten Café. 

die Spanier sind ganz verrückt nach Weihnachtsdekoration

Als wir alle wieder munter und fit und satt waren, war es auch schon wieder abends und so machten wir uns aud´f den Weg in die Tabacalera, eine ehemalige Tabakfabrik und heute soziokulturelles Zentrum mit ganz viel Platz zur freien Entfaltung, Skatebordhallen, Kunst und Djs, die in riesigen Fabrikhallen auflegen. Nachdem wir dann einige Zeit durch das Nachtleben Madrids geirrt waren, kamen wir noch in den Genuß eines Konzertabends mit Jazz und Funk und Ska. Wild tanzen lässt die Füße aber auch schnell müde werden und so sollte die Nacht nicht so lang werden, wie dir vorherige, unter anderem natürlich auch, um am nächsten Tag vielleicht doch noch was von Madrid zu sehen. 

spannende architektonische Gegensätze

Gut augeruht konnten wir am nächsten Tag das Schloss besichtigen (allerdings nur von außen, den Touristenscharen warteten bereits gierig auf den Einlass und 3 Stunden warten nur um einen Haufen Prunk anzuschauen hörte sich dann doch nicht so verlockend an - zur Zeit gibt es eine höchstinteressante Ausstellung von Armbanduhren, die einst spanische Könige um den Arm trugen) :). 



Die Seilbahn mit Blick über Madrid war dann schon die aufregendere Option, und aufregend im wahrsten Sinne, den 40 m über dem Boden in einer kleinen Kabine sitzen, während untendrunter Autos fahren und Häuser stehen ist nun wahrlich nicht entspannend. Die Seilbahn brachte uns in einen großen Park, und dort gibt es einen großen See, und was macht schon lustiger als eine Seefahrt? Also mieteten wir ein kleines Ruderboot, und ruderten mit mehr oder weniger Koordination im Kreis (also eher kein Erfolg- in einer dreiviertel Stunde bewegten wir und im Umkreis von grob gesehen 50 m hin und her). 


Leider war dann auch schon bald die Zeit gekommen und ich musste meine Sachen wieder zusammensuchen, um mich erneut auf eine 5 stündigen Reise zurück nach Granada zu begeben. Aber aus einem schönen Grund!

Sonntag, 11. Dezember 2011

Großstadtluft und äußerst seltsame Weihnachtstraditionen - Teil II

Außenrolltreppen sind solch eine clevere Idee
Da war meine Zeitplanung aber wieder einmal optimistisch- 1001 Sache, die es zu erledigen gilt, haben mir erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Was versprochen ist, ist aber versprochen und deswegen gibt es jetzt hier den zweiten Teil meiner Reise nach Barcelona.

Nachdem wir uns also am Sonntag, den  4.11. morgens immernoch übermüdet aus den Betten gequält haben und dann trotzdem, aufgrund von verstopften Ohren oder Gedächtnisproblemen oder beidem, das Frühstück verpasst haben (zum Glück hatte die Hostelmitarbeiterin dennoch Mitleid mit uns und wir bekamen trockenes Baguette und versüßten Kaffee) und alle wieder halbwegs menschlich zurechtgerichtet waren, machten wir uns auf zum Parque Güell, von Gaudí zwischen 1900-1914 geschaffen und dann von eben jenem bewohnt und heute eine von Barcelonas beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Der Aufstieg ist nicht zu unterschätzen, aber zum Glück sind die Spanier faul, und integrieren einfach Rolltreppen in die Straße.


Oben angekommen, wird man dafür mit einem sensationellen Ausblick über die gesamte Stadt und den Hafen belohnt.
Sagrada Familia (leider mit Gerüst) in der Mitte

Ja, ich seh nicht so frisch aus














Die gesamte Parkanlage ist riesig und überall gibt es was zu entdecken, unter anderem kann man das ehemalige Wohnhaus Gaudís, das heute als Museum für von ihm und von befreundeten Künstlern entworfenen Möbelstücken dient, besichtigen, und so waren wir einige Stunden mit Entdecken beschäftigt. 

Da hat Gaudí gewohnt
Blick über die Stadt

Eines der beiden Pförtnerhäuschen




















Später trafen wir dann endlich die restlichen Mitglieder unserer Gruppe, die wir morgens im Hostel vermisst hatten, nachdem wir den Park eigentlich gemeinsam besichtigen sollten- aber entweder haben wir zu lange gebraucht um aus dem bett zu kommen, oder der vorherige Abend hatte bei ihnen deutlichere Spuren hinterlassen als gedacht. Mit knurrenden Mägen machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Mittagessen und könnten uns danach frisch gestärkt erneut auf den Weg zur Sagrada Familia machen, die wir am Vorabend ja leider nur im Dunkeln und nicht von innen gesehen hatten. 

Leider von Dutzenden Gerüsten & Kränen getrübt















Gaudí ist mal wieder schuld- zwar hat er schon 1882 mit dem Bau begonnen, leider ist die Kirche aber bis heute noch nicht fertig gestellt- und soll es auch bis vorraussichtlich 2026 nicht werden. Deswegen wird der Anblick noch einige Zeit von Baukränen getrübt werden, beeindruckend ist es ohnehin. Für stolze 12 Euro lies man uns auch ins Innere, leider konnten wir aber auch davon nur einen Bruchteil besichtigen, da die gesamten oberen Etagen aufgrund von Bauarbeiten gesperrt sind. Naja, wenigstens waren wir so schlau und haben das Ticket ohne Fahrstuhlgebühr gekauft. Aber auch das hat seine guten Seiten, denn so konnten wir länger mit Genickstarre und offenen Mündern Dasitzen und Staunen.

...die macht Panorama nicht mehr mit
Leider in Handyqualität, die Kamera hat schon soviele Jahre auf dem Buckel...

Es war inzwischen Abend geworden und somit kalt und dunkel, dennoch ließen wir uns nicht davon abhalten, den Berg Montjuic besichtigen zu wollen, von dem aus man eine noch beeindruckendere Sicht als von Parque Güell haben sollte. Leider stießen wir bei ungefähr 1/20 des Weges an die physischen Grenzen unserer überlasteten Füße und müden Köpfe und besuchten doch lieber eine Kunsthandwerkerausstellung die auf dem Weg lag und entschieden uns danach, das es wohl die bessere Idee wäre, einfach in die Metro zu steigen und zurück ins Hostel zu fahren.

Nach einer kurzen Erholungsphase machten wir uns auf den Weg zum Abend-Programmpunkt des Tages, und landeten erneut in einem Club an der Strandpromenade. Leider war der noch weniger nach unserem Geschmack als der des Vortages, da kommt man sich selbst zurechtgemacht noch vor wie ein Penner unter der Brücke unter all den in Designerkleidung gekleideten Upperclass-Angehörigen, und auch nicht ganz nach unserem Budget- ein Bier für 10 Euro muss man erstmal rechtfertigen- das toppt nur noch der Cocktail mit 17 Euro. Aber auch gut, so waren wir relativ zeitig im Bett, nachdem wir auf dem Nachhauseweg noch Zeugen einer Razzia der Polizei gegen weibliche Angehörige des Dientsleistungssektors :) wurden.

Am Montag, den 5.11 und damit auch letzten Tag der Reise, nutzten wir den größten Teil der ersten Tageshälfte um die Markthalle anzuschauen, die mit einigen seltsamen Verkaufsständen aufwartet, Kaffee zu trinken und dem Hard-Rock-Café einen Besuch abzustatten. 

Das Bild konnte ich mir nicht verkneifen

Nachmittags holten wir unsere Tour zum Montjuic nach, nahmen diesmal allerdings gleich den Bus, und konnten dort mit Blick auf Barcelona die letzten Stunden vor der Rückreise genießen. 

Barcelonas Häusermeer

Der Hafen


Lauter kleine und große Caga Tíos
Etwas auf der Agenda galt es allerdings noch zu erledigen: wir mussten unbedingt zurück zum Weihnachtsmarkt, den wir bereits am ersten Tag gesehen hatten um uns mit dem perfekten Barcelona-Souvenir einzudecken: Caga Tío- zu deutsch: Kack-Onkel. Der ist in Katalonien sowas wie der Weihnachtsmann und kackt die Geschenke aus. Allerdings nur, wenn ihn die Kinder vorher mit einem Stock verprügeln. Ziemlich gewaltverherrlichende Weihnachtstradition... Aus diesem Anlass gibt es auf dem Weihnachtsmarkt auch einen Riesen-Caga Tío auf einer Bühne, sodass gleich mehrere Kinder auf einmal ihre Wut ablassen können :)

Ja, der Rest ist von der weniger spannenden Sorte- 18 Uhr in Barcelona in einen unbequemen Bus eingestiegen, am nächsten Morgen gegen 6 in Granada mit Gliederschmerzen wieder ausgestiegen- und dann erstmal den Großteil des Feiertages verschlafen. Mit meinem kleinen Caga Tío auf dem Nachttisch.









Donnerstag, 8. Dezember 2011

Großstadtluft und äußerst seltsame Weihnachstraditionen- Teil I

Nachdem hier schon wieder einige Wochen nichts passiert ist, war das letzte Wochenende sehr ereignisreich, sodass es sich lohnt, darüber zu berichten. Gemeinsam mit nem Reisebus voller Erasmus- Studenten verschlug es mich von Freitag bis Montag Abend nach Barcelona. Kurzbilanz: 300 Fotos geschossen und mindestens ebenso viele Kilometer gelaufen...

Los ging es Freitag Abend und ich wusste das der Weg vom südlichsten  Teil Spaniens bis an die nördlichste Spitze Spaniens nicht gerade ein Spaziegang sein würde, dass ich 12 Stunden vor mich hin schwitzend und unter diversen Körpergerüchen meiner Mitmenschen leidend in einem äußerst unbequemen Sitz im Bus eingequetscht sein würde- das hab ich allerdings nicht geahnt! Als wir dann also am nächsten Morgen in Barcelona ankamen, wollte ich also gleich am liebsten im Hostelbett weiterschlafen, dazu kam es allerdings gar nicht, denn nachdem das Gepäck im Zimmer verstaut war, und die Zähne auch wieder glänzend weiß erstrahlten (auf einer 12-Stunden Busfahrt verschwinden allerlei äußerst ungesunde Sachen zwischen den Kiemen) begaben wir uns auf eine kleine Tour durch das alte gotische Viertel.
die Seufzerbrücke

Drehort für die Mirabellenmädchenszene in 'Das Parfum'


Am Hafen

Ein Bier am Hafen später, wieder gestärkt und munter aber doch wieder hungrig, musste erstmal was zu essen her. Leider kamm dann wieder die Müdigkeit... also schleppten wir uns mir vollgeschlagenen Kugelbäuchen zurück ins Hotel, zunächst noch recht planlos und traffen dort den Rest der Gruppe, der sich gerade aufmachte um ein wenig mehr die Stadt zu erkunden. Da vollgestopfte Bäuche keine rechte Ausrede sind, mussten wir also mit. Unterwegs kamen wir unter anderem in den Genuss, die wohl zwei berühmtesten Häuser Gaudís zu bestaunen: Casa Batlló und La Pedrera. Die sollten nur noch von unserem eigentliche Ziel zu übertreffen sein: die Sagrada Familia; da lohnt sich sogar eineinhalbstündiges dynamisches Daherschleppen durch die unzähligen Straßen Barcelonas. Das heißt, zum Zeitpunkt der Ankunft war es schon ein wenig spät und wir entschieden die Besichtigung auf den  nächsten Tag zu verlegen und stattdessen zum Plaza Espana weiterzuziehen (diesmal allerding per Metro) wo es an mehreren Tagen der Woche unzählige Menschen hinzieht, um das (zuweilen ein wenig durchgeknallt wirkende) Wasserspiel in Kombination mit Licht- und Musikeffekten anzustaunen. Die Spanier haben schon eine Passion für pompöse Springbrunnen...

Casa Batlló




La Pedrera




Nach gefühlten endlosen Stunden des Starrens und Frierens, kam der erlösende Impuls sich zurück ins Hostel zubegeben, wo alle schnell unter die Dusche sprangen (keine leichte Aufgabe bei 8 Mädels im Zimmer und bestimmt auch nicht schnell) um wenigstens halbwegs menschlich aussehend auf das Nachtleben losgelassen werden zu können. Es hieß im Reiseprogramm im Preis inbegriffen wäre ein Abendessen und eine Stunde lang kostenlos Sekt und nachher in die Disko - das klingt ja erstmal nicht schlecht, aber was dann kam, hatte wahrscheinlich keiner so recht erwartet.



Das Abendessen fand nämlich nicht etwa in einem Restaurant statt sondern im Club(!) an der Stranpromenade gemeinsam mit fürchterlichh wichtig aussehenden After-Work-Party in Anzug und Krawatte gekleideten... Da wir nicht die einzigen mit Hunger waren, drängte sich die ganze Meute ums Buffet und wenn man Glück hatte, hatte man eine halbe Stunde später einen spärlich gefüllten Teller in der Hand, um blaue Flecke vom ums-Essen-prügeln. Was soll man da noch sagen? Und dann war der Nudelsalat, der quasi die Hauptspeise darstellte nichtmal besonders gut. Naja aber so eine Sektbar entschädigt für vieles. Bis 2 gabs obendrauf Bier und Longdrinks kostenlos. Das heißt übersetzt: leere Tanzflächen und Schlangestehen vor der Bar. Um 2 war dann der Spaß aber eben auch vorbei und das Bewusstsein, dass man unter all den furchtbar schick gekleidten Menschen und den am Strand flanierenden Schickies ein wenig fehl am Platze ist, bahnte sich wieder seinen Weg an die Oberfläche. Also machten wir uns recht bald auf den Heimweg und ich habe mich selten so dankbar gefühlt, für den Erfinder weicher Betten als an diesem Abend, als ich mich gegen 4 fallen lies wie ein Stein und bis zum nächsten Weckerklingeln auch kein Auge mehr auftat.

(Space) Invader gesichtet


Da die nächsten zwei tage mindestens genauso erlebnisreich und noch bilderreicher waren, gibts den zweuten teil morgen (oder übermorgen) :)





Montag, 31. Oktober 2011

Hippies in Olivenhainen

Oje, ich hab schon wieder Ewigkeiten nichts von mir hören lassen, hab anscheinend schon die spanische Mentalität übernommen: 'Naja Morgen ist ja auch noch ein Tag?!'. Muss mich wirklich mal bessern. Leider passiert unter der Woche auch nicht viel spannendes- immerhin verbringe ich die meißte Zeit in der Uni und dazu müssen Hausaufgaben erledigt werden und so weiter...

Dafür war das Wochenende ziemlich zufriedenstellend (und bleibt es hoffentlich auch, "wir Katholiken" haben nämlich Dienstag auch noch frei). Nachdem Freitag eigentlich glaub ich gar nichts passiert ist, weil die Party von Donnerstag so ihre Nachwirkungen hatte, haben wir beschlossen Samstag einfach mal zu rocken! Also sind wir gegen Mittag mit dem Bus losgefahren ins 15 Minuten entfernte Santa Fé, da man Leute immer wieder munkeln hört von heißen Quellen, die mit rund 40 Grad das ganze Jahr zum Baden einladen. In Santa Fé angekommen, mussten wir irgendwie den Weg dorthin finden, denn da unser Ziel mitten in der Pampa lag, fahren natürlich auch keine Busse dahin. Also haben wir uns, auf der Suche nach dem Tourismusbüro, auch gleich die Stadt ein wenig angeschaut- so schön, ein bisschen als wäre die Zeit stehengeblieben (diesmal aber in einer sehr positiven Art und Weise), kaum Verkehr und sooo saubere Luft (kein Vergleich zu Granadas Stadt-Gestank). 



Die Spanier sind wenigstens noch kreativ, was Türklopfer betrifft


Tourismusbüro war leider geschlossen aber dafür hatten wir sehr schnbell ne Tankstelle ausfindig gemacht und der nette Wart hatte wenigstens ne Taxinummer dabei. Also wurden wir wenig später an der Straße abgesetzt (das Taxi kann nicht viel weiter fahren, weil keine Straße hinführen und man so ein bisschen Hügel-rauf-Hügel-runter-querfeldein muss) - trotzdem wurde uns der horrende Preis damit erklärt, das Taxi müsse ja so unwegsame Strecken fahren, da könne man kaum den üblichen Preis verlangen...




Wir mussten dann noch ungefähr 20 Minuten laufen, und dann konnte man auch schon die ersten Campingwagen-Kolonnen entdecken. Ziemlich schnell waren wir mittendrin und wurden überaus freundlich von den "Bewohnern" begrüßt - leider zog sich die übertriebene Freundlichkeit fort, und wir waren die erste Stunde damit beschäftigt lüsterne halbnackte (zumeist alte) Männer davon zu überzeugen, das wir nicht mit ihnen baden gehen wollen. Irgendwann hatten wir dann endlich einen Flußabschnitt gefunden, und dem wir ungestört ein bisschen baden konnten, doch lange hielt die Ruhe nicht und wir hatten schon wieder einen besonders hartnäckigen am Hals. Der wollte es aber auch gar nicht begreifen. Zum Glück nahte schnelle Rettung durch unseren deutschen Freund, den wir vorher im Camp kennengelernt hatten. So konnten wir fliehen und haben doch noch noch ein einsames Becken gefunden, und haben dann bis zum Sonnenuntergang unseren 2 neuen Freunden gechillt, Steine gesammelt und Schlammmasken gemacht :) Wirklich sehr entspannend. Irgendwann wurde es aber doch bisschen kalt und wir haben im Camp noch Lagerfeuer gemacht und ein bisschen in den, nicht von der Stadt vermiesten, Sternenhimmel gestarrt. Leider mussten wir viel zu schnell los, Esmé hatte ein Partyversprechen gegeben und glücklicherweise waren wir per Anhalter dann auch relativ schnell zurück. Dummerweise hatte ich nur mein Handtuck + Bikini aufs Auto der Jungs zum Trocknen aufgehangen- und dann nicht mitgenommen... also muss ich heut wohl oder übel noch mal ins Hippieparadies verschwinden :)

Badewannenwarmes Wasser!
 

Freitag, 21. Oktober 2011

Nackte Demonstranten und Junkies am Strand

Wieder eine (anstrengende) Woche Uni hinter mir, deswegen kaum Zeit zum Schreiben gehabt- 4 Tage die Woche jeden Tag mehr oder weniger von früh bis abends mit Vorlesungen und Hausaufgaben (!) beschäftigt- da ist man von Deutschland anderes gewohnt...

Dennoch gibt es einiges nachzuholen, denn das vergange Wochenende war ereignisreich:
Samstag waren, wie vielleicht einige mitbekommen haben, überall auf der Welt 15M Demonstrationen geplant, so natürlich auch hier, nachdem ja in Madrid im Mai alles angefangen hatte. Also haben wir uns auf den weg zum Versammlungspunkz gemacht und waren zunächst noch ein wenig erstaunt, das kaum Leute erschienen waren. Die berühmte spanische Unpünktlichkeit war schuld, denn eine Stunde nach offiziellem Beginn, hatten sich weitere Tausende eingefunden und die Demonstration konnte (natürlich mit spanischer Ruhe) beginnen. An deutschen Maßstäben gemessen hätte man wahrscheinlich eher von einem Festumzug gesprochen, denn von Bands begleitet tanzten die teilweise sehr spezial bekleideten oder auch kleidungslosen Teilnehmer aller Altersklassen (sowohl Kinder als auch Rentner waren dabei) durch die Strassen und nur Parolen und Transparente erinnerten an das eigentlich ernste Anliegen. Solch eine positive Stimmung und Ausgelassenheit kann einen schon überraschen, wenn man meist mit wütenden Demonstranten und brennenden Barrikaden konfrontiert wird.

Wie schon gesagt: alles sehr bunt und...anders

Versammlungsplatz

Bemerkenswert, dass selbst Kinder für ihre Zukunft demonstrieren


Sonntag war der Plan unseren plattgelaufenen Demonstrantenfüsse ein entspannendes Bad an der Costa Tropical zu gönnen und so machten wir uns im Bus in das eine Stunde entfernte Motril auf. Die Fahrt führte durch die traumhafte Landschaft der Sierra Nevada, durch kleine Bergdörfchen und vorbei an der kuriosesten Vegetation und so war schnell beschlossen, das Motril ab jetzt an unser Lieblingsausflugsziel werden sollte- diese Meinung würden wir später aber nochmal deutlich überdenken müssen. Schon als wir mit dem Bus in die Stadt fuhren wunderten wir uns, dass nirgendwo auch nur ein kleines Stückchen vom Meer zu sehen war. Dennoch machten wir uns mit großen Hoffnungen auf, nachdem uns ein Einheimischer versichert hatte, wir müssten nur geradeaus laufen und dann würden wir den Strand schon irgendwie sehen. Nachdem wir schon eine halbe Stunde gelaufen waren und immer noch kein Strand in Sicht war, und uns zudem langsam der Hunger überkam, und beides in Kombination sich wahlweise in schlechter Laune beziehungsweise wahnhaften Lachanfällen äußerte (weil es so grottenschlecht war, das man fast schon wieder drüber lachen konnte), beschlossen wir erstmal Mittagspause einzulegen, in der schönsten Ecke der Stadt neben dem Obdachlosenheim und nem Park voller Junkies... Nachdem wir noch ein paar weitere Passanten nach dem Weg zum Strand gefragt hatten, war schnell klar, das wir den Bus nehmen würden müssen (häh? puh...deutsche Grammatik :)), wenn wir nicht noch 2 Stunden laufen wollten. Nach ener weiteren halben Stunde Warten auf den Bus, umgeben von gruseligen Gestalten, kam unser Ziel endlich in erreichbare Nähe. Wir hätten vielleicht gleich stutzig werden sollen, als die erste Person die wir nach dem Weg fragte, sich erkundigte ob wir den zu Fuß gingen oder den Bus nehmen wollten, denn der Strand war definitiv nicht zu Fuß erreichen, außer man will seinem Leben eine Ende setzen und läuft gern auf Autobahnen herum :). Naja, halb 5 waren wir endlich am Strand angekommen- der Bus zurück ging halb 7- was aber nicht weiter schlimm war, da es zum Zeitpunkt eh kalt war und unsere Demonstrantenfüße dann eben mit der heimischen Badewanne vorlieb nehmen müssten. Also verbrachten wir die verbleibende Zeit, in wärmende KLeidung gehüllt, mit Postkartenschreiben und Steine sammeln und zugegebenermaßen, ich habe meinen Füßen ein kleines Bad gegönnt- weiter ging aber auch nicht. Als wir gegen 10 zurück in Granada waren, stand fest, das Motril definitiv keinen weiteren Besuch wert wäre- selten eine so dreckige, vergessene Stadt gesehen.










Das war auch schon der spannende Teil der vergangenen Woche, sonst ist wie bereits erwähnt nicht viel passiert, außer einer Flamencoshow am Mittwochabend in der Uni, die wir nach Vorlesungsschluss um halb 8 (!) noch besucht haben. Sicherlich interessant, aber wenn man von überall nur den an Touriustenbedürfnisse angepassten weichgespülten Falmenco kennt, und dann eine traditionelle Darbietung sieht, ist man schon leicht verwundert. Selten etwas so dramatisches und dabei gleichzeitig so rasend schnelles gesehen, zeitweise wirkte es tatsächlich ob man den FastForward Knopf gedrückt hielte. Und alles war so übertrieben (sowohl Gesang, als auch Tanz und Gitarre), dass ich mich von Zeit zu Zeit fragen musste, ob die das denn wirklich ernst meinen und dann gelegentlich aufkommende Lachanfälle unterdrücken musste. Ich bin aber sehr froh die Chance bekommen zu haben, abseits der Touristenorte eine solch ursprüngliche Vorführung mit Künstlern, deren Leidenschaft und Können wahrlich beeindruckend war, gesehen zu haben.

Samstag, 15. Oktober 2011

Worte zum Samstag

Nicht viel passiert in letzter Zeit und doch ist seit meiner Ankunft hier mittlerweile nun schon ein Monat vergangen. Die Uni bleibt weiter frustrierend, teil der Sprachbarriere zum größeren Teil jedoch der mangelnden Organisation geschuldet und macht (zugegebenermaßen bis auf meine 2 Kurse in Englisch) nur wenig Spaß und keine Lust auf mehr. Die Erasmusstudenten sind noch immer nicht immatrikuliert, das heißt wir haben weder Zugriff auf die zentralen Uniplattformen, was dazu führt das man schon mal den ganzen Tag in der Uni verbringt und am Ende kein Professor auftaucht, einfach weil man nicht informiert wurde; noch kann man sich wirklich sicher sein, das der Stundenplan so funktioniert, wie man sich das gedacht hat, weil man am Ende vielleicht gar nicht alle Kurse bekommt, die man belegen möchte.
Zudem, während das Leben hier immer mehr zum Alltag wird, beginnt man zu realisieren, dass man hier nicht im Urlaub ist, sondern wirklich noch eine Weile hier leben wird. Nachdem die ersten Eindrücke nur so hereingestürzt sind und man gar keine Zeit hatte nachzudenken, läuft plötzlich alles nur noch halb so schnell ab und die Dinge, die vorher spannend und neu waren, werden zur Routine. Das alles macht es nicht einfacher und da die meisten meiner Mitmenschen gerade in eben diesem Stadium festzustecken scheinen, macht sich eine leicht deprimierte Grundstimmung breit und man stellt sich Fragen, die man vorher nicht gestellt hätte.

Das alles klingt kompliziert, im Grunde freue ich mich aber noch immer hier sein zu dürfen und Granada ist weiterhin eine wunderschöne Stadt. Und zum Glück haben die meisten von uns 3-Tage-Wochenenden, sondass man immer wieder eine Nische findet um Einzigartiges zu erleben. So zum Beispiel letzten Sonntag, als ich und eine meiner Mitbewohnerinnen entschieden, wir müssten den Tag zu etwas Besonderem machen. In der Stadt gastiert gerade eine M.C. Escher Ausstellung- Teile davon in der Alhambra, der Rest im Wissenschaftspark. Glücklicherweise ist erstere nur einen 20 minütigen Aufstieg von unserem Haus entfernt, wobei 'Aufstieg' hier 'wirklich steiler Aufstieg' meint. Man hat natürlich auch die Möglichkeit sich in überfüllte Touristenbusse zu quetschen aber wir sind ja jetzt Einwohner, und Einwohner laufen... Aber es hat sich gelohnt- die Ausstellung war sehr beeindruckend aufgearbeitet, unter anderm mit Videoanimationen, die einen Überblick über das gesamte Werk bieten und eine beinahe psychedelische Anziehungskraft ausüben, sodass wir den ganzen Film dreimal gesehen haben :). Und allein für den Ausblick hätten sich die Anstrengungen ausgezahlt:




Nachher haben wir uns noch ein bisschen auf Erkundungstour begeben, leider konnten wir viele Sehenswürdigkeiten nicht besuchen, da dafür eine Eintrittskarte nötig gewesen wäre - die bekommt man als Einwohner kostenlos, muss sich aber vorher registrieren. Naja, das wird definitiv nachgeholt, dann aber mit Proviant im Gepäck. Nachdem uns nämlich der kleine Hunger überrascht hatte, mussten wir feststellen, dass in der gesamten Anlage nur Michelin-Restaurants zu finden sind, und gaben uns, von der Mittagshitze geschwächt, geschlagen und bezahlten im Endeffekt 5 Euro für ein Öl-durchtränktes Baguette mit Omelett- soviel zu den Michelin-Sternen... Nachdem wir noch ein bisschen erkundet hatten, beschlossen wir die Zeit bis zum Abend in einem Park zu verbringen, den wir entdeckt hatten. Nur ein Wort dazu: traumhaft. Überall Palmen, und Springbrunnen und Pfauen und Ausblick auf die ganze Stadt bei untergehender Sonne...zugegebenermaßen auch ein bisschen kitschig- aber der Park trägt auch 'Romantik' im Namen...



Das war auch schon der spannendste Teil der vergangenen Woche- abgesehen davon mal wieder ne Menge Parties, gute (z.B. ein erneutes 'Nationalitäten-Abendessen', diesmal mit Polen, Deutschland und Australien) und weniger gute (die Dachterassenparty am Dienstagabend (Mittwoch war frei) wurde gegen 1 von mit Trillerpfeifen bewaffneten Polizisten aufgelöst, die vor der Tür standen und gewartet haben, bis auch der letzte von ungefähr 100 Gästen gegangen war).- Ansonsten ein bisschen Uni (die Woche hatte ja nur 3 Tage), viel Tapas, viel Rumhängen-in-Cafes, ein bisschen Shopping - was man halt so macht.


Heute wird ganz spannend, um 6 gehts zur 15M-Manifestation - heute in 87 Ländern in der ganzen Welt, (hoffentlich) friedliche Demonstrationen für ¡Democracia real YA!. Man hat viel gelesen und gehört in den Medien im vergangenen halben Jahr, und ich freue mich das Alles aus einer ganz anderen Perspektive erleben zu können, und an dem Ort zu sein, wo alles seinen Ursprung hatte (also Spanien, nicht Granada).

Dienstag, 11. Oktober 2011

Bilderflut Cordoba

Am 1. Oktober (da sieht man mal wie zeitnah ich in der Lage bin zu bloggen) gings per Erasmusorganisation nach Cordoba, UNESCO-Weltkulturerbe und drittgrößte Stadt Andalusiens. Die 300 Studenten zählende reiselustige Schar wurde in mehreren Reisebussen hinkutschiert und direkt nach Ankunft gings los mit Stadtführungen, ich und meine Begleiterinnen entschieden jedoch einen Kaffee vorzuziehen (die Frühe Abfahrt- 8 Uhr morgens!- hatte Spuren hinterlassen), mit Stadtplan ausgerüstet würden wir wohl die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auch allein finden. Nach gefühlten zwei Stunden des Erst-mal-in-die-Gänge-Kommens konnten wir dann auch endlich los, und haben unter anderem eine im 14. Jhd. erbaute Synagoge besichtigt. 
  





Die wenige Zeit, die bis zum nächsten Programmpunkt blieb, wurde größtenteils mit wenig enthusiastischem Rumschlendern verbracht (auch geschuldet der brennenden Mittagshitze mit gefühlten 35 Grad), und dann gings zum Alcázar de los Reyes Cristianos, ebenfalls im 14. Jhd. erbaut und von christlichen Königen als Rückzugsort bis zur Wiedereroberung Granadas genutzt (ein Yeah! für Wikipedia :D).



Nach überteuertem Mittagessen (so ist das eben in Städten, die fast ausschliesslich vom Tourismus leben) stand dann der Cordoba-Klassiker schlechthin an: die Mezquita. Die nächste Schwierigkeit war, 300 Leute in Gruppen von 30 aufzuteilen, damit nicht alle mit einmal hineinstürmen. Nach Belehrungen über Belehrungen und einer weiteren halben Stunde warten, konnten wir dann endlich der immer noch unbarmherzig scheinenden Sonne entfliehen und die heiligen Hallen betreten :). 784 als Moschee erbaut, 1236 jedoch zur christlichen Kirche geweiht, kann man noch heute beide Einflüsse direkt nebeneinander sehen. Mit 23.000 m² gehört sie zu den größten ehemaligen Moscheen der Welt, wirklich äußerst beeindruckend!





Nachdem wir uns dann noch ne kleine Stärkung für den Rückweg in Eisform geholt hatten, gings auch schon zurück zum Bus mit Vorfreude auf das schöne, bunte, verrückte, laute Granada- das ist nämlich was  Cordoba fehlt- die Lebendigkeit. Man merkt, das alles sehr touristsich ist, und so waren auf den Straßen auch kaum Einheimische zu sehen, dafür Reisegruppen aus aller Welt an jeder Ecke -wobei wir natürlich die Wohnviertel der Einheimischen gar nicht zu Gesicht bekommen haben- vielleicht sieht es ja dort ganz anders aus. Alles ist ein bisschen teurer und ein bisschen verschlafener- letzteres hat eindeutig seinen Reiz, aber eben auch nur für einen Wochenendausflug. Trotzdem war es äußerst beeindruckend, und mir wäre definitiv was entgangen, wenn ichs nicht gesehen hätte.